Bedenklich: Pestizid-Verkauf in Deutschland 2021 gestiegen

Veröffentlicht von Alisa Hufsky am

Bedenklich: Pestizid-Verkauf in Deutschland 2021 gestiegen

Entgegen dem langjährigen Trend hat der Pestizid-Absatz in Deutschland im vergangenen Jahr wieder zugenommen. Vor allem der Absatz von Herbiziden – darunter auch bedenkliche Stoffe wie Glyphosat, Pendimethalin und Prosulfocarb –  ist 2021 um fast 14 Prozent gestiegen. 

Ein Schritt in die falsche Richtung

Kürzlich veröffentlichte das Bundesamt für Verbraucherschutz (BVL) den aktuellen Jahresbericht zum Inlandsabsatz und Export von Pestiziden. Die Zahlen zeigen einen Anstieg des Verkaufs von 27.841 Tonnen in 2020 auf 28.945 Tonnen im Jahr 2021. Und das, obwohl laut Farm-to-Fork-Strategie der Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide in Europa eigentlich bis 2030 halbiert werden soll. Zusätzlich haben sowohl die EU-Kommission als auch die deutsche Bundesregierung Ausbauziele für den Öko-Landbau festgelegt: Bis 2030 sollen EU-weit 25 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen auf Öko-Landbau umgestellt werden, in Deutschland sogar 30 Prozent. Doch die aktuellen Zahlen des BVL zum Pestizidabsatz weisen leider in eine falsche Richtung.

„Schlimmste Fünf“ stark angestiegen

Vor allem der Absatz von Herbiziden ist im Vergleich zu 2019 stark gestiegen, darunter Glyphosat (+33,9%), Pendimethalin (+20,9%), Prosulfocarb (+46,5%), 
s-Metolachlor (+8,3%) und Terbuthylazin (+9,1%). Das ist besonders besorgniserregend, da diese fünf Stoffe als leicht flüchtig gelten und in der Studie zur Pestizidbelastung der Luft am häufigsten und weit entfernt von ihrem Ausbringungsort gefunden wurden. Sie landen also nicht nur da, wo sie ausgebracht werden, sondern verbreiten sich über die Luft bis in Städte, Naturschutzgebiete und sogar auf Bio-Äcker, wo sie Ernten kontaminieren und im schlimmsten Fall unverkäuflich machen. Werden sie nun wieder vermehrt eingesetzt hat dies erhebliche negative Konsequenzen für Umwelt, Artenvielfalt, Gesundheit und Bio-Landwirtschaft.

Weg von den Pestiziden – hin zur Agrarwende!

Das BEL fordert deshalb eine sofortige Anwendungsbeschränkung für die Stoffe Glyphosat, Pendimethalin, Prosulfocarb, s-Metolachlor und Terbuthylazin sowie einen schrittweisen Ausstieg aus der Anwendung chemisch-synthetischer Pestizide.

Denn klar ist, ein „Weiter so“ kann und darf es nicht geben. Die Politik muss endlich handeln und ihren Worten Taten folgen lassen. Eine schnelle und drastische Reduktion chemisch-synthetischer Pestizide ist dringend notwendig.

Mit unserer Unterschriftenaktion „Weg von den Pestiziden – hin zur Agrarwende“ fordern wir von der Politik einen schrittweisen Ausstieg aus der Anwendung chemisch-synthetischer Pestizide. Die Umsetzung unserer darin enthaltenen Forderungen können dazu beitragen, das Pestizidreduktionsziel der Farm-to-Fork-Strategie national und auf EU-Ebene zu erreichen:

  • Eine Verbesserung des Pestizid-Zulassungsverfahrens, das Abdrift und Ferntransport von Pestiziden berücksichtigt
  • Eine sofortige Anwendungsbeschränkung für Glyphosat, Pendimethalin, Prosulfocarb, s-Metolachlor und Terbuthylazin
  • Die Durchführung eines jährlichen, umfassenden Pestizidmonitorings
  • Die Einführung einer Pestizid-Abgabe, deren Erlöse genutzt werden, um betroffene Bio-Landwirt*innen zu entschädigen und den Umbau hin zu einer ökologischen Landwirtschaft mitzufinanzieren

Mach jetzt mit – unterschreibe unsere Forderungen für eine Agrarwende!