Interview mit Geschäftsführerin Dr. Angelika Strauß

Interview

„Ich möchte dazu beitragen, das Ruder herumzureißen“

Seit dem 1. April verstärkt Dr. Angelika Strauß das BEL-Team und löst ihre Vorgängerin Johanna Bär als neue Geschäftsführerin ab. Wir haben zum Start mit ihr gesprochen und wollten unter anderem natürlich etwas genauer wissen, was sie zum Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft geführt hat.

Foto: Dr. Angelika Strauß
Angelika, woher kommst du und was waren die wichtigsten Stationen in deinem Leben?

Angelika Strauß: Ich bin in München geboren und aufgewachsen. Ursprünglich hatte ich Lehramt Sonderpädagogik mit Mathematik, Biologie und Kunst studiert. Nach meinem Staatsexamen bekam ich aber erst einmal meine beiden Kinder Nicolas, heute 24 Jahre und Melanie, heute 22 Jahre alt. Als „meine Kleine“ in den Kindergarten kam, war für mich die Zeit gekommen, nicht nur leidenschaftlich Mutter zu sein, sondern mich wieder dem Arbeitsleben zu widmen. Ich nahm am Dr. von Haunerschen Kinderspital der LMU München eine Stelle an und rief innerhalb von zehn Jahren zwei Projekte zur Ernährungs- und Gesundheitsprävention ins Leben, die bundesweit in Kindergärten und Grundschulen ausgerollt wurden. Während der Zeit promovierte ich im Bereich Stoffwechsel- und Ernährungsmedizin. Danach war ich drei Jahre lang als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Münchener Zentrum für Lehrerbildung der LMU tätig und daran anschließend bis März 22 am Lehrstuhl für Didaktik der Biologie.

Wann hast du das erste Mal vom Bündnis gehört?

Als ich vor etwas mehr als einem Jahr für meine Studierenden in der Biologiedidaktik der LMU München ein neues Seminar zum Thema „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ konzipierte, erfuhr ich im Rahmen meiner Recherchearbeiten zum ersten Mal von den Studienergebnissen der Urinale, initiiert vom BEL. Ich war damals richtig entsetzt und mir war sofort klar, dass diese Erkenntnisse weit verbreitet werden müssen. Als mich Ende letzten Jahres dann meine beste Freundin auf die vakante Stelle der Geschäftsleitung im BEL hinwies, war ich sofort Feuer und Flamme von der Idee, dabei sein zu können. Ich finde es wichtig, die vielen Missstände aufzuzeigen und dazu beizutragen, das Ruder herumzureißen und unsere Böden am Ende wieder gesund an unsere Kinder und Enkelkinder zu übergeben.

Was machst du privat am liebsten?

Ich bewege mich am liebsten in der Natur. Soweit es meine Zeit und das Wetter erlauben, radle ich mit meinem Partner ins Grüne, denn das lädt meine Batterien am schnellsten wieder auf. Ansonsten schaue ich mir die Welt auch gerne von oben an und mache Bergwanderungen. Ich liebe Tiere und freue mich immer über meine beiden großen Stubentiger, Benny und Daisy. Außerdem pflege ich liebevoll meinen kleinen Obstgarten mit Apfel, Pfirsich, Aprikose, Kiwi, Stachelbeere, Heidelbeere, Feige und Zitronen und freue mich über jede einzelne geerntete Frucht.

Woher kommt dein Hang als Münchner Großstadtkind zur Landwirtschaft?

Schon als kleines Kind habe ich meine Wochenenden und Ferien mit meinen Eltern im oberbayerischen Lenggries in der Nähe von Bad Tölz in unserer Ferienwohnung verbracht und dort die Bauernhöfe unsicher gemacht. Besonders gerne erinnere ich mich dabei an meine ersten Fahrten mit dem Traktor oder als Geburtshelferin im Kuhstall, naja, ok, ich habe nur zugesehen. Aber das war schon ein wahnsinniges Ereignis für mich.

Auf was freust du dich in deiner neuen Rolle als Geschäftsführerin des Bündnisses am Meisten?       

Zuerst einmal freue ich mich darauf, unsere Bündnis-Mitglieder und Kooperationspartner*innen näher kennenzulernen und auf die künftige Zusammenarbeit. Aktuell stehen viele spannende Projekte in der Pipeline und ich freue mich darauf, diese gemeinsam mit dem Bündnis-Team und unseren Partner*innen umzusetzen und so das Bewusstsein für die Pestizid-Problematik auf allen Ebenen zu schärfen.

Ich möchte dazu beitragen, das Ruder herumzureißen. Daher freue ich mich auch auf den künftigen Austausch mit Politik sowie anderen NGOs, um gemeinsame Lösungsansätze zu entwickeln und mich aktiv für eine enkeltaugliche Landwirtschaft einzusetzen.